Hirtenbrief der Regensburger Domtauben

Zur aktuellen Situation

Katholiken!
Protestanten!
Bürger Regensburgs!

Wir alle sind erschüttert über Berichte des Missbrauchs von Meinungs- und Kunst-, aber auch Pressefreiheit, der sich in den letzten Jahren auf Kosten unseres Bischofs G. Müller ereignet hat. Dabei handelt es sich v.a. um Fälle, die länger zurückliegen und die bereits straf- und kirchenrechtlich geahndet wurden.

Am 30. November 2009 kam nun ein Vorfall zur Anzeige, der bislang unbekannt war und daher erst jetzt aufgeklärt werden kann. Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt seit mittlerweile vier Monaten wegen des Vorwurfs der Beleidigung gegen die Domtauben. Anlass ist eine Solidaritätsnote für G. Müller aus dem Jahr 2007.

In dieser Stunde der Bedrängnis ist es unsere Pflicht, den vielen Anhängern der Domtauben Mut zu machen. Das Kreischen der Falken schreckt uns nicht.

I. Beleidigung

Zu jeder Zeit und in jeder Hinsicht widerspricht die Beleidigung eines Bischofs unserem Menschenbild. Es ist ein Verbrechen und eine Sünde, wenn der ein Würdenträger in seiner Personwürde brutal verletzt, seelisch gedemütigt und in seinem geistigen Selbstwertgefühl als Witzfigur herabgesetzt wird. Durch die neuere Psychologie wissen wir heute viel mehr über die oft lebenslangen schlimmen Nachwirkungen solcher Taten.

Die Domtauben waren wohl früher der Ansicht, sie hätten genug getan, als sie sich 2007 solidarisch mit G. Müller erklärten, weil er dem vorbestraften Kinderschänder Peter K. erneut Kontakt mit Kindern ermöglicht und seine persönliche Verantwortung strikt abgelehnt hat. Wir waren der Meinung, G. Müller würde daraus eine Lehre ziehen. Diese fachwissenschaftlichen Prognosen zum Verhalten des Bischofs haben sich als unsicher erwiesen.

Alle Domtauben sind sich einig, dass sie eine ehrliche Aufklärung wollen, frei von falscher Rücksichtnahme, selbst wenn Vorfälle gemeldet werden, die schon lange zurückliegen. Das Opfer hat ein Recht darauf. Ihm und seinen Angehörigen steht eine menschliche, therapeutische und seelsorgerliche Hilfe zu, die individuell angepasst ist (Exorzismen, Laisierung, Sicherungsverwahrung, ggf. Resozialisierung).

Alle, besonders die Strafverfolgungsbehörden, sind aufgefordert, eine Kultur des aufmerksamen Hinschauens – auch bei G. Müller – zu pflegen.

II. Missbrauch

Nachdrücklich verurteilen wir den Versuch von G. Müller, die ganze katholische Kirche und ihre Einrichtungen in Misskredit zu bringen. Doch derjenige, der schonungslos die katholische Kirche um ihren guten Ruf bringt, hat sich nun auch die „Regensburger Domtauben“ als Opfer ausgesucht.

Nicht nur das Bistum, die ganze Stadt Regensburg wird durch das Verhalten des G. Müller in den Dreck gezogen. Ein sangeskräftiger Männerchor beschäftigt nun die Regensburger Staatsanwaltschaft, die sich im Auftrag des Bischofs damit zu befassen hat, was in den Köpfen der Domtauben wohl vorgehen mag.

Bei einer Versammlung haben die Domtauben das böse Spiel des G. Müller auf den Punkt gebracht: „Weil unser Domchor durch eine Darstellung des Regensburger Bischofs die nun zutage tretende Realität angeprangert hat, müssen sich die ohnehin vielbeschäftigten weltlichen Staatsanwälte mit der verzerrten Realitätswahrnehmung eines Helfershelfers befassen.“ Das Fehlverhalten des Bischofs kann aber mitnichten den Regensburger Domtauben angelastet werden.

Die mediale Eigendarstellung des Kirchenfürsten suggeriert dem unbedarften Katholiken: G. Müller hat nichts mit der Vertuschung von „sexuellem Missbrauch und systematischer Verprügelung von Jugendlichen“ zu tun gehabt. Es wird suggeriert: G. Müller ist das Opfer böswilliger Medien. In dieser angeheizten Stimmung kann der Beleidigungsvorwurf des Bischofs gegen die Domtauben (seltsamerweise) seit Monaten nicht aufgeklärt werden.

Das Ansinnen hinter dieser Strafverfolgung ein Zerrbild jenseits aller Realität. Die moralische Verantwortung tragen diejenigen, die Vergewaltigung, Prügel und Demütigung an Kindern und Jugendlichen gezielt begangen, vertuscht oder „nicht mitbekommen“ haben.

III. Vertrauen

Schon der katholische Pfarrer und geistliche Schriftsteller Christoph von Schmid trat aus gläubiger Überzeugung und aus pädagogischer Berufung für Kinder auf. Schmid schrieb daher rund 50 kleine Erzählungen mit pädagogischen Anliegen in einer für Kinder verständlichen Sprache. Er zeigte ihnen in Beispielgeschichten, wie Gott das Gute siegen lässt.

Besonders berühmt geworden ist sein 1798 in Thannhausen verfasstes, ursprünglich achtstrophiges Weihnachtsgedicht Ihr Kinderlein kommet. Das Gedicht wurde 1837 von Franz Xaver Luft in Regensburg vertont (hier anhören).

Im Geiste des Christoph von Schmidt werden die Domtauben und ihr stimmgewaltiger Chor handeln und dieses Lied am Ostersonntag um 9.30 Uhr auf dem Vorplatz des Regensburger Doms zum Vortrag bringen. Unserer Kinder zuliebe.

Regensburg, am Vorabend des Gründonnerstag im Jahr des Heils 2010

Die Regensburger Domtauben,

Schnabel halten war gestern

Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all’!
Zur Krippe her kommet in Bethlehems Stall,
und seht, was in dieser hochheiligen Nacht
der Vater im Himmel für Freude uns macht.

Da liegt es das Kindlein auf Heu und auf Stroh;
Und all Deine Hirten betrachten es froh;
in reinlichen Windeln das himmlische Kind,
viel schöner und holder als Engel es sind.

Sie bethen: „Du liebes, Du göttliches Kind
was leidest Du alles für unsere Sünd’!
Jetzt beug vor dem Hirten anbethend die Knie
und mache ihn heilig und selig wie nie.“

„Stimmt freudig, ihr Kinder, wer sollt sich nicht freun,
stimmt freudig zum Jubel der Engel mit ein!“
So kniehen die Hirten laut bethend davor,
hoch oben schwebt jubelnd der Engelein Chor.

Sie nehmen die Herzen der Opfer denn hin;
Sie nehmen sie gerne, den Hergott im Sinn ­
Nichts woll’n sie von Schätzen und Freuden der Welt ­
ein Herz voller Unschuld nur ihnen gefällt.

Müller hält, was er verspricht. Das ist unsere Zuversicht …

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